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Wirkstoffmanagement der Zukunft

15 Februar, 2019

Der Pflanzenschutzmarkt steht vor vielen Veränderungen. Neben gesellschaftspolitischen Anforderungen an die Nahrungsmittelproduktion und den klimatischen Veränderungen sind es ebenso Fragen nach der Verfügbarkeit an Wirkstoffen, die einen Einfluss auf die Ausprägung des künftigen Pflanzenschutzes haben. Seit Jahren werden Resistenzprobleme bei den Gräsern, bei pilzlichen Schaderregern, bei den Insektiziden diskutiert und zunehmend bei den dikotylen Beikräutern. Der entscheidende Lösungsansatz ist ein Wirkstoffwechsel. Darüber hinaus sollte über die gesamte Rotation gedacht werden sowie Bedingungen und Indikation vor Ort in die Entscheidung einfließen.

Über die Fruchtfolge hinweg

Der Trockenheitsindex, eine Maßzahl die Niederschlag und Temperatur ins Verhältnis setzt, zeigt beispielsweise, dass es in vielen Regionen Deutschlands zum Zeitpunkt der Applikation der Maisherbizide für Bodenherbizide zu trocken ist. Hinzu kommt, dass der fehlende Besatz mit spätauflaufenden Fingerhirsen in einigen Gebieten kaum den Einsatz von bodenaktiven Mitteln rechtfertigt. Nicht nur, dass der Anwender bei trockenen Bedingungen für sein Geld weniger Wirkung bekommt, die Häufigkeit der Applikation solcher Herbizide kann zu einer „Abnutzung“ führen. Die Produktvielfalt lässt es noch zu, hier entsprechend der Situation zwischen boden- und blattaktiven Herbiziden zu entscheiden. Im Mais kamen in den vergangen Jahren Flufenacethaltige Mittel vermehrt zum Einsatz. Dieser Wirkstoff wird eigentlich dringend gegen Ackerfuchsschwanz in der Wintergerste, oder gegen Ackerfuchsschwanz, der ALS-Hemmer- bzw. FOP resistent ist, gebraucht. Sein Hauptanwendungsgebiet hat dieser Wirkstoff im Herbst in den Getreidekulturen und sollte im Mais, wenn überhaupt, nur überlegt zur Anwendung kommen. Mit ZeagranClean®Combo und NaganoSmart®Combo bietet die Nufarm zwei Lösungsansätze für diese Problematik im Mais.

Über die Fruchtfolge hinweg zu denken, bringt Vorteile. Beispielsweise können im Getreide Maisproblemkräuter wie Storchschnabel, Winde, Gänsefuß oder auch Rapsunkräuter wie Rauken sehr gut reguliert werden, ebenso die Frühblüher Ehrenpreis und Stiefmütterchen. Diese Frühblüher im Getreide zu vernachlässigen, kann zu erhöhtem Besatz im Raps führen. Gerade die Ehrenpreisarten blühen sehr zeitig, bei entsprechenden Bedingungen oft bereits im Februar im Raps. Jede Insektizidanwendung gegen Rapsschädlinge muss dann bienenschonend erfolgen und manche Produkte werden dadurch ausgeschlossen. Insektizidmanagement im Raps beginnt bereits im Getreide. Um hier etwas für Entspannung zu sorgen, lässt sich im Getreide mit Alliance® suPrim solo oder als Mischpartner viel für die Folgekulturen tun.

Eine Vielzahl an Sulfonylanwendungen im Frühjahr, teilweise sind zwei oder drei Sulfonyle oder mehr in Tankmischungen enthalten, kann nun durch Duplosan® Super entlastet werden. Mit Duplosan® Super, welches drei Wuchsstoffe beinhaltet, können die Lücken der Sulfonyle im Bereich Ehrenpreis, Taubnessel, Storchschnabel, Erdrauch und mehr geschlossen werden. Die Soloanwendung in allen Getreidekulturen ist ebenso eine Option.

Rückstandsfrei gegen Lagerfäule

Gerade Wahlmöglichkeiten sollten erhalten werden. Im Fungizidbereich im Getreide sind zur Blattbehandlung die SDHI-Kombinationen gesetzt. Diese sind mit unterschiedlichen Azolen gemischt. Epoxiconazol wie auch Prothioconazol sind zwei der wichtigsten Mischungspartner. Beide unterliegen einem Shifting, einer schleichenden Anpassung der Pilze an die Wirkstoffe und haben ähnliche selektive Wirkung. Eine Hauptlast zur Unterstützung der SDHI wird auch in Zukunft auf Prothioconazol liegen. Jetzt diesen Wirkstoff zu sichern, sollte Prämisse bei der Wahl der Fungizidkombinationen sein. Die Fungizide Ampera® zu T1 und Soleil® zu T3 bieten genau die Möglichkeit, Prothioconazol zu entlasten, um zur Blattspritzung in T2 weiter aus der Vielfalt aller SDHI-Kombinationen frei wählen zu können.

Der Pflanzenschutz wird sich ändern. Neue Mittel auf anderer Basis gibt es bereits und finden ebenso ihren Platz im Ackerbau. Im Obstbau hilft zum Beispiel ein Hefepilz gegen die Infektion mit Feuerbrand oder gegen Lagerfäulen. Es ist möglich mit dem auch im biologischem Obstanbau zugelassenem Botector® Erdbeeren einen Tag vor der Ernte rückstandsfrei gegen Lagerfäule zu schützen.

Die Vegetationsperiode hat sich verlängert. Das Frühjahr beginnt zeitiger und die Vegetation kommt immer später zur Ruhe. Unkräuter laufen früher auf und blühen zeitiger. Die Applikation sollte entsprechend angepasst erfolgen. Diese fällt zunehmend mit dem optimalen Termin der Gräserbekämpfung im Frühjahr zusammen. Hier ist es wichtig wärmeliebendere, später auflaufende Unkräuter ebenso regulieren zu können. Alliance® suPrim empfiehlt sich als dikotyler Partner zu allen Gräsermitteln.

Im Herbst kann die verlängerte Vegetation genutzt werden, die Saatzeitpunkte nach hinten zu verschieben ohne die Wintervorentwicklung beim Weizen groß zu minimieren. Fuchsschwanz und Trespe könnten dadurch minimiert werden. Der Druck von Rapsschädlingen auf den Raps im Herbst ebenso, wenn der Saatzeitpunkt entsprechend gewählt wird.

Sich an Veränderungen anpassen, diese nutzbar machen, beginnt mit dem Überdenken der bisherigen Strategie. Wirkstoffmanagement fing gestern an und geht mit dem Tun von heute weiter.       


Zum Autor:

Torsten Mörstedt arbeitet seit 2008 bei der Nufarm Deutschland GmbH und ist als Customer Marketing Manager für die Region Nord-Ost tätig.