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Bienensterben – was steckt wirklich dahinter?

6 Mai, 2019

Das Thema Bienensterben ist präsenter denn je in den Medien. Angefangen vom Volksbegehren in Bayern bis hin zu Landwirten, die Ihre Flächen zur Einsaat mit Blühmischungen im Crowd-Funding-System anbieten, hört und liest man über die verschiedensten Medien tagtäglich zu diesem Thema einen Beitrag. Doch was steckt dahinter? Was ist Wahres dran an dieser Thematik?

Bienensterben ist nicht gleich Bienensterben

Zuerst einmal muss man sich über die Definition Bienensterben einig sein, denn Bienensterben ist nicht gleich Bienensterben. Es muss zwischen Honigbienen und Wildbienen differenziert werden! Schaut man sich einmal die Entwicklung der Bienenvölker in Deutschland an, so muss man positiv feststellen, dass wir die Talsohle (im Jahr 2009) durchschritten haben und die Anzahl der Bienenvölker wieder zunimmt, derzeit ca. 900.000 Völker. Auch die Anzahl der Imker steigt erfreulicherweise wieder an. Zum Vergleich: um das Jahr1900 gab es schätzungsweise 2,5 Mio. Bienenvölker in Deutschland, bis dahin ist es noch ein langer Weg. Derzeit haben wir in Deutschland weniger Honigbienen, allein aus dem Grund, dass wir einfach weniger Bienenvölker haben.

Schaut man einmal über den Tellerrand, so kann man feststellen, dass wir weltweit gesehen die höchste Bienenvölkeranzahl seit über 50 Jahren haben. Lediglich in Europa befinden wir uns auf einem niedrigen gleichbleibenden bis wieder leicht ansteigenden Niveau mit einem starken Einbruch 1989/90. Warum?

Aufgrund des Endes der Sowjetunion und der politischen Wende in Deutschland haben wir in Europa zwischen 1989 und 1995 über 7 Mio. Völker verloren, da in der Planwirtschaft Bienenhaltung staatlich subventioniert wurde und sich nach der politischen Wende die Bienenhaltung schlichtweg nicht mehr rentiert hat.

Sozioökonimische Veränderungen und globaler Honighandel haben großen Einfluss

Eine Studie aus dem Jahr 2016 von Moritz & Erler fand heraus, dass politische und sozioökonomische Veränderungen (Revolutionen, Bürgerkriege) und der globale Honighandel einen größeren Einfluss auf die Anzahl der Bienenvölker haben, als Pestizide und Parasiten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Imkerei in Billiglohnländer abwandert, da man hier einfach und kostengünstig Honig produzieren kann. Länder (z.B. Deutschland), die viel Honig importieren, erleiden hingegen einen Rückgang an Bienenvölkern.

Fakt ist aber auch, dass die Bienenvölkerzahl in den letzten 50 Jahren um 60% gestiegen ist, der Bestäubungsbedarf aufgrund geänderten Ernährungsverhalten jedoch um über 300%.

Fazit: Der Honigbiene geht es überhaupt nicht schlecht, so wie immer behauptet wird! Wie geht es jetzt aber den Wildbienen?

Weltweit gibt es über 20.000 Wildbienen-Arten, alleine in Deutschland gibt es 569 Arten, wovon leider mehr als die Hälfte auf der Roten Liste stehen. Woran liegt diese Tatsache, wenn es der Honigbiene im Gegensatz so gut geht? Der geeignete Wohnraum für Wildbienen nimmt ab, durch z.B. Verwandlung von Gärten in klinisch reine Steinwüsten, grüne Ödnis aus Rasen und dauergrünen Gehölzen, wenig Feldgehölze, intensive Mähwiesen, Mulchen von Gräben, Böschungen etc. entlang von Straßen, starker Flächenverbrauch (Straßen, Gewerbegebiete etc.), um nur einmal die wichtigsten Gründe zu nennen. Hier ist die gesamte Bevölkerung einschließlich der Politik gefordert. Allein die Landwirtschaft kann die vielen Missstände in Ballungsräumen etc. nicht beheben. Sie gibt schon jetzt ihr Bestes!

Bitte so nicht! Hier kann kein Insekt sich wohlfühlen.


Zum Autor:

Dr. Thomas Steinmann, ist nach seiner Promotion an der Uni Bonn seit über 3 Jahren bei der Nufarm Deutschland GmbH tätig, seit über einem Jahr als Teamleiter Nord-West Deutschland und Key Account Großhandel Norddeutschland. In seiner Freizeit engagiert er sich in der Familien-Imkerei.