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Vermeidung der Mahdverluste von Wildtieren bei der Grasernte

28 Mai, 2019

Hallo, mein Name ist Christoph Klos. Ich bin 32 Jahre alt, seit 3,5 Jahren im Unternehmen Nufarm als Regionalleiter für das östliche Niedersachsen beschäftigt, selbst Landwirt eines 70 ha Betriebes im Nebenerwerb und aktiver Jäger.

Ich möchte mich in diesem Blogbeitrag dem Thema „Vermeidung der Mahdverluste von Wildtieren bei der Grasernte“ widmen. Ich selbst bewirtschafte auf meinem Betrieb 18 ha Grünland als Grundfutterbasis für die Mutterkühe. Wie auch viele andere Betriebe, habe auch ich jedes Jahr erneut die Herausforderung, dass sich in meinen Grünlandbeständen viele Rehkitze befinden. Um hier nun die Verluste zu reduzieren, möchte ich im Folgenden Präventionsmöglichkeiten vorstellen, damit es zu keinen unnötigen Verlusten kommt. Zunächst gilt zu bedenken, dass Kitze zu 90% zwischen dem 01.05.-07.06. gesetzt werden. Da sich dieser Zeitraum sehr stark mit dem ersten Mahdtermin überschneidet, sollten Präventionsmaßnahmen getroffen werden. Es existieren unterschiedliche Mittel und Wege, die in diesem Bereich helfen, Kitze zu retten. Ich werde aber auch auf meine eigenen Erfahrungen zurückgreifen, welche sich in den letzten Jahren als besonders wirkungsvoll erwiesen haben.

Vorab ein paar grundsätzliche Hinweise. Flächen sollten immer von innen nach außen gemäht werden. Kein Kitz wird sich aus einem stehenden Grasbestand auf eine Freifläche wagen, geschweige denn über ein 10-15 cm hohes Grasschwad laufen. Durch die noch geringe Größe des Kitzes, stellt ein Grasschwad eine nahezu unüberwindbare Barriere dar. Sollten Sie ein Kitz im Bestand finden, gilt es das Tier, zum einen, vorsichtig und zum anderen, nie mit bloßen Händen anzufassen. Das Tier würde Ihren Geruch annehmen und von seiner Mutter verstoßen werden. Rupfen Sie einen ausreichend großen Grasbüschel ab, um das Kitz mit diesem Grasbüschel als Trennschicht zwischen dem Tier und Ihren Händen anzuheben, tragen Sie das Tier an den Feldrand und merken Sie sich die Position.

Eine Übersicht der Präventionsmaßnahmen:

In den Medien wird häufig von Infrarot oder wärmebildgebenden Kameras in Verbindung mit dem Einsatz von Drohnen berichtet. Da diese Systeme leider äußerst teuer in der Anschaffung sind und leider auch nur begrenzt einsetzbar sind, eigenen sich diese Systeme in meinen Augen nicht für den einzelnen Betrieb mit 5, 10 oder 15 Hektar Grünlandfläche, hier sind einfachere Maßnahmen gefragt.

Welche Möglichkeiten gibt es also für den Einzelbetrieb?

1. Der Hund, der beste Freund des Menschen

Hunde haben bekannter Maßen einen äußert ausgeprägten Geruchssinn, dabei gilt zu beachten, dass frisch gesetzte Kitze in den ersten Tagen nach der Geburt, wir sprechen hier von 2-5 Tagen, keinen eigenen Geruch haben. Das heißt, die typische Wildtierwitterung, auf die Ihr Hund reagieren würde, fehlt den Jungtieren. Dies ist ein Schutzmechanismus der Natur. Da die Kitze innerhalb der ersten Lebenstage wenig agil sind, wäre es für Raubtiere (Wolf, Fuchs, Hund etc. ) ein leichtes, diese Kitze zu reißen. Aufgrund des fehlenden Eigengeruchs fällt es auch den Raubtieren äußert schwer, die Witterung der Jungtiere aufzunehmen. Das gilt auch für Ihren Hund.
Zudem bleibt festzuhalten, das leider nicht jeder Hund gleichermaßen auf Wildtierwitterung reagiert. Die Motivation Ihres Hundes, ein Kitz zu finden, liegt begründet in dem Willen Beute zu machen. Sollte Ihr Hund dieses Interesse nicht verspüren, wird er direkt an einem Kitz vorbeilaufen, ohne Ihnen ein Signal zu geben. Kurz um, es kommt auf den Hund und auf die Dauer seit der das Kitz auf der Welt ist, an. Diese Technik eignet sich nur für Flächen, die direkt danach gemäht werden und mit Jagdhunden, welche sich als fähig erwiesen haben.

2. Geruchsstoffe

Wildtiere reagieren im Allgemeinen äußert sensibel auf menschliche Witterung. Es besteht daher die Möglichkeit, mit einer Form von synthetischem, konzentrierten Menschenschweiß (Hukinol) eine aktive Wildvergrämung zu betreiben. Dies kann wie folgt aussehen: Sie nehmen sich alte Kleidungsstücke (T-Shirts sind am besten geeignet), beträufeln diese mit Hukinol und hängen sie an im Feld platzierten Pfählen auf. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Kleidungsstücke auf 1 m bis 1,5 m Höhe platziert werden, so werden sie von Winden nicht in höhere Luftschichten getragen, in denen das Wild sie nicht mehr wahrnimmt. Von der Anzahl her, sollten Sie pro Hektar Fläche mit zwei Duftstellen kalkulieren. Die Dauerwirkung dieser Produkte beträgt zwischen 12-48 Stunden, danach tritt beim Wild eine Gewöhnung ein und die Wirkung ist vorbei.

3.  Lampen und Leuchten

Auf meinem Betrieb sowie in unserer Jagd hat sich eine Vergrämung mit Lampen und Leuchten mittlerweile durchgesetzt und wir verzeichnen gute Erfolge mit diesem System. Wir setzen ausgemusterte Straßenleuchten ein, welche vorher zur Absicherung von Baustellen (gelbe und rote Blinkleuchten) verwendet wurden. Nach Rücksprache mit den Kommunen ist ein Erwerb meistens möglich. Viele Händler bieten mittlerweile auch Batterien für diese Lampen an, sodass hiermit effektiv gearbeitet werden kann. Die Lampen sollten auf Blinken eingestellt sein, sie sollten in einer Höhe von 1m bis 1,2m aufgehängt werden und maximal 3 Tage, also zwei Nächte vor der Mahd. Pro Hektar Fläche sollte mit 2 Lampen kalkuliert werden. Auch bei dieser Art der Vergrämung setzt sonst relativ schnell eine Gewöhnung ein.

4. Lampen und Schallgeräte

Mittlerweile bieten einige Händler Kombigeräte an. Diese bestehen, wie die oben erwähnte Methode, aus einem Blinklicht, in das zusätzlich ein akustisches Signal, Piep oder Pfeifton integriert wurde. Wir hatten letztes Jahr ein solches Gerät im Einsatz und waren von seiner Wirkung beeindruckt. Wir haben die Fläche im Vorfeld mittels Jagdhunden abgesucht und mehrere Rehkitze orten können, diese wurden über die Nacht in der das Gerät zum Einsatz kam alle aus der Fläche verbracht.

Aus eigenen Erfahren fahre ich mittlerweile eine Mischung aus mehreren Systemen. Es kommen sowohl, wie oben beschrieben, Blinkleuchten als auch Geruchsstoffe zum Einsatz. Diese Kombination hat sich als absolut wirkungsvoll und vor allem praktisch und einfach herausgestellt. Auf Flächen mit bekannt höherem Aufkommen an Kitzen setzen wir zusätzlich die Schallgeräte und Hunde ein.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesem Beitrag eine Hilfestellung geben und Ihnen durch praktische Erfahrungen die Systeme gut erklären. Zudem hoffe ich natürlich, dass es Ihnen hilft, aktiv den Schutz unserer Wildtiere und vor allem der Kleinsten zu gewährleisten.


Zum Autor:

Christoph Klos ist seit 3,5 Jahren für die Nufarm Deutschland GmbH als Regionalleiter Nierdersachsen Süd-Ost tätig. Im eigenen Betrieb ist er zudem auch als Landwirt tätig und ist aktiver Jäger.